Heute beim Bestatter …

… wollte ich einige Unterlagen abgeben und traf einen jungen Mann Mitte 20 an, der sich als der Azubi vorstellte. Der Chef sei noch nicht da, und er wisse von nichts, denn er habe einen Berufsschulblock hinter sich und sei heute den ersten Tag wieder da. Er ist ein ganz Netter, erinnert mich in seiner Art ein bißchen an Mamas Lieblingspfleger Alex. Ich erkläre ihm, daß ich schon vor drei Jahren einen Vertrag mit seinem Chef gemacht habe und meine Mutter am Wochenende verstorben sei. Die Unterlagen, die ich dabei hätte, würden gebraucht. Auf seinen Chef könne ich nicht warten, weil ich beruflich unterwegs bin. Er strahlt mich an: „Dann ist Ihre Mutter mein erster Fall“. Ich schaue wohl etwas verblüfft, und sobald er „Fall“ ausgeprochen hat, ist ihm das unangenehm.

Er erklärt: Der Chef hat gesagt, wenn ich von der Berufsschule komme, dann bin ich für den ersten Menschen, der dann zu uns gebracht wird, von Anfang bis Ende für alles allein verantwortlich. „Dann bin ich ja richtig bei Ihnen mit meinen Unterlagen“, sage ich und gebe ihm die Papiere. Im Brustton der Überzeugung sagt er: „Ich werde Ihre Mama gut behandeln“. Das denke ich auch und danach: Mama, der würde Dir sicher gefallen.

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3 Gedanken zu „Heute beim Bestatter …

  1. Ich möchte Ihnen gern mein Mitgefühl aussprechen, lese schon lange mit und war in letzter Zeit schon ein wenig besorgt.

    Sie haben so gut nachvollziehbar geschrieben „ein schwerer Weg ist auf dieser Erde zu Ende gegangen.“ Die jetzige Zeit ist ein schwere für Sie, aber auch eine sehr besondere Zeit, weil Sie sie vermutlich etwas aus dem Hier und Jetzt reißen wird. Alles scheint langsamer zu gehen.

    Ich hoffe, Sie konnten sich gut verabschieden und würde mich sehr freuen, wenn Sie uns an dem Trauerprozess, der folgen wird, teilhaben ließen, verstünde aber auch, wenn für Sie in absehbarer Zeit der Alzheimerblog´s Blog abgeschlossen wäre.

    Gut, dass Sie in der Lage sind, auch noch in Momenten, wie beim Bestatter das Gute zu sehen und erfreulich, dort auf einen Menschen zu treffen.

    Ich fühle mit Ihnen, denke an Ihre Mutter und wünsche Ihnen die nötige Kraft für die kommenden Wochen und Monate.

  2. Welch eine versöhnliche Begegnung beim Bestatter. Der Junge Bestatter wird sich ganz besonders kümmern. Ich glaube auch, dass das (und nicht nur der junge Mann) Ihrer Mutter gut gefallen würde.

  3. Solange man sich an einen Menschen erinnert, ist er unvergessen. Und es gibt ja jetzt noch einen Menschen mehr, der sich an Ihre Mutter erinnert – war ja sein erster Fall. 🙂

    Schön.

    Und danke für die bisherigen Zeilen, es war auch für mich ein Blick über den Tellerrand.

    Alles Gute für die nächste Zeit!

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