Angehörigenbashing …

Immer wieder gerät in Politsendungen die Pflege in Heimen oder zuhause in den Fokus. Das ist auch gut so. Nicht gut ist, wenn derartige Beiträge immer wieder gern mit dem einleitenden Satz versehen werden: „Viele wollen ihre alten und pflegebedürftigen Eltern nicht ins Heim abschieben„. Ich würde mal sagen: Niemand will Angehörige abschieben, sondern jede/r ist um die bestmöglichen Bedingungen bemüht. Die können je nach persönlicher Situation des Pflegebedürftigen oder der pflegenden Angehörigen (meist sind es nach wie vor Frauen – machen wir uns nichts vor: Töchter, Schwiegertöchter, Ehefrauen) sehr unterschiedlich sein.

Niemand macht sich die Entscheidung für ein Pflegeheim leicht, aber es gibt Lebenssituationen, in denen ein Heim die einzige für alle Beteiligten sozialverträgliche Alternative ist. Selbst wenn ich nicht berufstätig wäre, hätte ich Mama nicht zuhause pflegen können. Meine Wohnung, die Breite der Türrahmen – schon damit hätte es angefangen. Das Heim konnte ihr Angebote zur Verfügung stellen, die auf privater Basis nicht zu organisieren gewesen wären: Beschäftigungstherapie, Hundebesuch, Gottesdienst und eine Fachlichkeit in der Pflege rund um die Uhr, die ein fachfremder Angehöriger selbst mit Unterstützung eines Pflegedienstes nicht bewerkstelligen kann.

Krankengymnastik kann man noch zuhause organisieren, aber Therapiehunde gibt es nicht in ausreichender Zahl. Die reichen noch nicht mal für alle Heime, die Interesse haben. Und wer hat schon so eben mal einen auf dementiell veränderte Menschen abgestimmten G-ttesdienst in der Nachbarschaft? Das Heim nimmt einen zwar die körperlichen Aspekte der Pflege ab, aber es bleibt trotzdem mehr als genug zu tun …

Wichtig wäre, daß politisch die Rahmenbedingungen vorhanden sind, die Pflege ermöglichen – in der eigenen Umgebung oder im Heim.

Zum Weiterlesen:
In dem Beitrag „Neulich in der Alzheimer Angehörigengruppe“ habe ich früher schon mal erzählt, wie es für pflegende Angehörige ist, wenn der Gedanke ans Pflegeheim näher rückt und unausweichlich wird, weil man es zuhause nicht mehr schafft.

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Ein Gedanke zu „Angehörigenbashing …

  1. Ich kann dem nur zustimmen!

    Meine Mutter ist im Endstadium der Alzheimer-Erkrankung, d.h. sie braucht 24 Stunden Hilfe mit ALLEM (sie kann sich nicht selbständig bewegen etc….). Unabhängig von der fachlichen körperlichen Pflege ist der Sozialdienst im Johanniterstift hervorragend. Meine Mutter bekommt – neben den konstanten AnsprechpartnerInnen – immer wieder Anregungen von außen durch Konzerte, junge Praktikantinnen, Besuchsdienst etc….. Das könnten wir ihr zuhause alles nicht bieten. Und meiner Mutter scheint es sehr zu gefallen!

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