hieß eine Dokumentation, die ich gerade in der ARD gesehen habe. Drei Familien, die versuchen, die Eltern oder einen Elternteil zuhause zu pflegen, wurden gezeigt. 1,6 Millionen Menschen werden derzeit zuhause gepflegt, meist von den Töchtern oder Schwiegertöchtern. Auch in der Doku war es so, dass Brüder – soweit vorhanden – im Hintergrund blieben. Bei einem Elternpaar – beide pflegebedürftig – sind drei Töchter neben ihrem Beruf rund um die Uhr für die Eltern da. Freizeit gibt es für sie nicht mehr. Schon der Vater allein braucht so viel Unterstützung, daß die Mutter zu kurz kommt.
Am meisten bewundere ich eine Frau, die sich allein um ihre Mutter kümmert. Die Geschwister haben sie im Stich gelassen. Zu ihrer Situation heißt es auf der Sendungshomepage:
Über 15 Jahre lang hat Sabine Zahntechniker in der ganzen Welt ausgebildet, in Manila und Los Angeles gelebt und sich dann mit einem Designladen in Holland niedergelassen. Gerade hatte sie eine Anfrage auf die Philippinen zurückzukehren erhalten, als der Anruf ihres Bruders kam, ihre Mutter sei mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert worden. Das war total überraschend, weil sie ja eben noch so ganz fit war. Sie ist einen Tag vorher noch Auto gefahren. Keiner hat damit gerechnet, dass sie von einem Tag auf den anderen ein Pflegefall ist. Man stellt es sich so vor, dass das so langsam kommt, dass man es sieht, dass man sich darauf vorbereiten kann, aber das war es halt nicht.
Sabines Mutter überlebt knapp, kann sich aber nicht mehr artikulieren und für Sabine ist klar, dass sie in einem Heim untergehen würde. Spontan beschließt sie, für vier Tage die Woche in ihr Heimatdorf Brake bei Oldenburg zurückzukehren und drei Tage in Holland weiter zu arbeiten. Doch die dafür nötige Unterstützung ihrer drei Geschwister bleibt aus. Sabine muss in Brake bleiben und wird von einer erfolgreichen Unternehmerin zur Hartz-IV-Empfängerin. Dennoch hat sie ihren Entschluss nicht bereut. Systematisch hat sich Sabine in den Bereich der Pflegestufen und Zusatzleistungen eingearbeitet und setzt zurzeit alles daran, die für die Mutter nötige Flüssigkeitsversorgung bei der Krankenkasse durchzusetzen.
Die Frau schafft es sogar noch, eine Ausbildung zur Masseurin zu beginnen – das einzige, was die Agentur für Arbeit bereit ist zu finanzieren. Sie weiß, dass sie nach dem Tod der Mutter für ihr Auskommen sorgen muß. Die drei Geschwister, die mit am Tisch sitzen, als darüber beraten werden soll, ob die Mutter mit einer Magensonde ernährt werden soll, sehen alle so aus, als ob ihre Situation abgesichert ist. Letztlich ist Sabine wieder allein in der Entscheidung, wie es mit der Mutter weitergeht.
Das Fazit der Sendung, das ich nur bestätigen kann:
Oft sind es weniger die kranken Eltern, sondern die Kämpfe mit Krankenkassen, Ärzten und Behörden, die die Pflege zur Last machen
Wiederholungen:
EinsExtra, 31. Oktober 2011, 05:30 Uhr
EinsExtra, 12./13. November 2011, 00:20 Uhr
SWR, 25. Januar 2012, 20:15 Uhr
Das Fettgedruckte kann ich voll und ganz bestätigen!
Ich weiß nicht, wie oft ich den Fluch ausgestoßen habe, daß ich allen Sachbearbeitern der Krankenkassen, Versorgungsämter, der GEZ etc. etc. schwerst pflegebedürftige Eltern wünsche und daß sie sich mit genau solchen Sachbearbeitern, wie sie selber sind, herumärgern dürfen.
anfang mai zeichnete es sich ab, das ein umzug meiner mutter aus ihrem haus in ein altenpflegeheim unumgänglich wird. der umzug fand ende juli statt. seitdem staune ich immer wieder wie groß die anzahl der idioten ist, denen man in ämter, krankenkassen bzw unter ärzten begegnet.
eine sendung aus dem leben gegriffen. was mich erschüttert hat waren die 3 geschwister von sabine. bei allem verständnis . . . . solche geschwister würde ich zum teufel jagen.
alt zu werden und die öglichkeit in betracht zu ziehen das die eltern nicht mehr in der lage sein könnten sich selbst zu versorgen, dies sollte man sich nicht scheuen an – auszusprechen. viele ältere menschen blocken da ab, aber man darf . muß als familienangehöriger/kind diese situation unbedingt ansprechen um rechtzeitig für eine solche situation gewappnet zu sein. wir sind für alles versichert, selbst für den größten unsinn – aber das alter und die damit verbundene arbeit – darüber zu reden da sträubt sich alles in uns – angehörige wie eltern. solange eltern noch in der lage sind „den alltag wahrzunehmen, einzuschätzen und zu verstehen“ haben angehörige – kinder das recht wie auch eltern die pflicht sich diesem sachverhalt auf der ebene des respektes, der emphatie und des mitgefühl zu stellen.