rasante Beschleunigung von Alzheimer beim Umzug ins Heim?

Seit längerer Zeit ist Demenz immer wieder Thema in der „Sachsenklinik“, also der beliebten Krankenhausserie „in aller Freundschaft“. Die alleinerziehende Ärztin Katrin Globisch kümmert sich auch noch um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter. Bis jetzt klappt es mit einer privaten Pflegerin mehr oder weniger gut. Wenn die Pflegerin sich verspätet oder krank ist, kommt Katrin Globisch regelmässig in die Bredouille. Da dieser Alltag wegen der Ausfälle der Mutter immer schwerer lebbar ist, steht nun die Frage, ob es zuhause noch weitergehen kann oder ein Umzug ins Heim dran ist, auf der Tagesordnung (Folge 540). Im Gespräch mit ihren Freunden und Ärztekollegen fällt der Satz, den ich schon unzählige Male gehört habe:

„Der Umzug in ein Heim beschleunigt diese Krankheit meistens rasant“

Meinen Beobachtungen entspricht das nicht. Klar, jede Änderung in der Struktur ist für dementiell veränderte Menschen enorm schwierig, und aus der Streßforschung ist bekannt, daß Umzüge zu den Lebensereignissen gehören, die sehr großen Streß mit sich bringen. Es kann sein, daß ein solcher Umzug einen Krankheitsschub auslöst. Ich habe jedoch häufig beobachtet, daß bei gut geführten Heimen die Umzugs- und Eingewöhnungsphase sehr bewußt gestaltet wird. Viele Kranke leben in der neuen Umgebung auf. Der Streß ist deutlich reduziert, weil sowohl die Gestaltung des Heims als auch der Umgang des Pflegepersonals auf die dementiell veränderten Menschen abgestellt ist. Der Kranke erlebt andere Kranke mit ähnlichen Schwierigkeiten.

In einem Heim gibt es auch viele unterschiedliche Angebote, die dazu beitragen sollen, die vorhandenen Fähigkeiten so lange wie möglich zu erhalten. Unterschiedliche Angebote helfen den Bewohnern, ihren Tag zu strukturieren und zu gestalten. Und wer seine Ruhe haben will, kann auch das haben. In Mamas Heim gab es regelmässig Gymnastik, Singen, Musik, Beschäftigungsangebote unterschiedlicher Art, Ausflüge zum Tierbauernhof, Besuch eines Therapiehundes, Gottesdienst, Gartengruppe, Sportgruppe. Regelmässig kam eine Hortgruppe zu Besuch. Und am Jahr entlang wurden alle möglichen Feste gefeiert.

Und dass die Alzheimer-Krankheit fortschreitet, liegt leider in der Natur dieser Krankheit.

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5 Gedanken zu „rasante Beschleunigung von Alzheimer beim Umzug ins Heim?

  1. Ich kann den obigen Beitrag in Hinblick auf meine Mutter nur bestätigen. Es hängt allerdings wirklich vom Heim ab!

    Nach einem Sturz in ihrem Haus, kam meine Mutter damals ins Krankenhaus und danach in eine Kurzzeitpflege, um in den 3 Wochen wieder zu lernen, mit dem Rollator die Toilettengänge eigenständig zu machen etc….. Dieses Heim für die Kurzzeitpflege wurde damals vom Krankenhaus empfohlen, und das war eine Katastrophe: Die setzten meine Mutter mit Windeln in einen Rollstuhl, die Demenzkranken waren auf der Station eingesperrt, und es stank dort nach Urin und Kaffee. Es gab keinerlei soziale Angebote etc…Selbstverständlich hatte ich damals sofort Heimaufsicht, Medizinischen Dienst etc. verständigt, und inzwischen wurde dort alles ausgetauscht. Aber ich habe damals meine Mutter vorzeitig aus diesem Heim herausgenommen, und zum Glück wurde ein Platz im Johanniterstift, das meine Mutter noch selbst ausgesucht hatte, frei. Dort ist ein reichhaltiges soziales Angebot. Meine Mutter wurde wieder mobilisiert, und der Anspruch ist dort auch, daß die Bewohner_innen solange wie möglich das eigenständig machen, was sie noch können.

    Aber natürlich – die Krankheit selbst kann man nicht aufhalten……….

  2. Mit dieser Frage beschäftige ich mich seit langem, weil ich leider feststellen musste, dass es im Fall meines Schwiegervaters letztlich so war. Nach dem Umzug ins Heim schritt die Demenz schnell voran. Allerdings war seine Zeit im Heim ständig von Krankenhausaufenthalten unterbrochen.

    Mit der Heimpflege war ich übrigens sehr zufrieden. Noch schlimmer schritt die Demenz mit jedem Krankenhausaufenthalt voran. Die Rückkehr ins Heim führte dann eher wieder zu einem langsameren Fortschreiten.

    Für die Situation meines Schwiegervaters bin ich inzwischen zu dem Schluss gelangt, dass wir alle zu spät wahrgenommen haben, dass eine dementielle Veränderung vorliegt und zu spät eingegriffen haben, wobei er vor dem ersten ernsthaften Krankenhausaufenthalt einfach nicht zu einer Veränderung bereit war. Er war der Meinung, keine Hilfe zu brauchen und wollte keine annehmen.

    Eine frühere Entwicklung hin zur Annahme von Unterstützung, vielleicht dem Aufsuchen einer Tagesklinik oder ähnliches hätte die Situation anders aussehen lassen.

  3. Krankenhausaufenthalte sind für Demenzkranke unglaublich stressig. In den üblichen Krankenhausabläufen ist das nicht eingeplant. Demente brauchen länger, brauchen mehr Hilfe und das Personal wird immer mehr abgebaut. Oft werden dann Demente fixiert, auch wenn keine richterliche Genehmigung dafür vorliegt. Ich habe mit drei Krankenhäusern sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, aber eigentlich sollte man als Angehöriger so viel Zeit wie möglich im Krankenhaus dabei sein. Ist nur die Frage, wie sich das im Einzelfall mit den restlichen Anforderungen des Lebens zusammenbringen läßt.

  4. Genau so habe ich es auch wahrgenommen. Ich hatte das Gefühl, ständig dort sein zu müssen, konnte das aber mit meinem Alltag, voller Berufstätigkeit, auch noch selbständig , einfach nie so zusammenbringen, wie ich es mir gewünscht hätte. Zudem herrscht in der Familie meines Schwiegervaters eine extreme Sprachlosigkeit, man regelt kaum etwas im Gespräch, was natürlich gerade in einer solchen Situation ziemlich nötig wäre. Wenn ich die Dinge nicht ansprach und versuchte zu regeln, tats niemand.

    Die Krankenhäuser werden sich darauf einstellen müssen, dass sie nicht mehr nur für die Akutversorgung da sind und die Patienten ansonsten nach der ersten Erholungsphase z.B. nach OP alle Grundverrichtungen selbst machen, wie Waschen, Essen, Trinken, Anziehen und so weiter, können. Genau letzteres funktioniert ja eben nicht mehr ab einem bestimmtem Moment der Demenz und dann wirds richtig schwierig.

    Beim letzten Krankenhausaufenthalt meines Schwiegervaters vor seinem Tod konnte ich beobachten, wieviele alte Menschen, pflegebedürftigte, teils sicher demente Menschen allein auf der Station mit meinem Schwiegervater waren. Ich würde schätzen, dass deutlich mehr als die Hälfte der dortigen Patienten und natürlich erst recht der länger dort verweilenden Patienten Menschen deutlich jenseits der 75 waren.

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