Oma bleibt in Thailand

Vor einem Jahr hat der Filmemacher Wolfgang Luck unterschiedliche Rentner aus Deutschland un der Schweiz aufgesucht und sich von ihren Neuanfängen in Thailand erzählen lassen: die Rentnerin Ute aus Buxtehude, die der Altersarmut in Deutschland entfliehen wollte und in eine Seniorenresidenz zog und anfangs eine Baustelle vorfand, der Rentner Reinhard aus Kiel, der mit einer Thaifrau in einem Appartement zusammenlebt und möchte, daß sie ihn pflegt und die Alzheimerpatientin aus der Schweiz, die in einer Pflegeeinrichtung von M. Wootli lebt und aus Dokumentationen über diese Pflegeeinrichtung in Chiang Mai manchen Fernsehzuschauern schon bekannt sein dürfte. „Oma will nach Thailand“ heißt dieser erste Film.

Nun war Wolfgang Luck wieder in Thailand und hat nachgeschaut, was aus den Dreien geworden ist:
Die äußeren Bedingungen von Ute aus Buxtehude haben sich sehr verbessert. Sie lebt in schöner Umgebung mit Pool und nettem Personal. Sogar eine Masseurin mit Wunderhänden gibt es, die viele von Utes Symptomen zum Verschwinden brachte. Gesundheitlich geht es ihr gut, 20 Kilo hat sie abgenommen, aber glücklich ist sie nicht, denn in der Residenz lebt jeder für sich und das Klima unter den Bewohnern ist frostig. Viel Spielraum hat Ute nicht, weil ihre Finanzen knapp sind. Über das Internet hat sie Kontakt zu anderen deutschen Rentnern gefunden und beschließt mit deren Unterstützung sich noch einmal ein anderes Leben auf eigenen Füssen außerhalb der Residenz aufzubauen.

Reinhard aus Kiel fühlt sich weiterhin wohl in Thailand, und natürlich wollte er anders als andere männliche (Sex-)Touristen von Anfang an was Festes. Mit seiner Partnerin, mit der er sich sprachlich kaum verständigen kann, gibt es Probleme. Die möchte nämlich gern zurück zu ihrer Familie aufs Land. Das würde für Reinhard heißen, daß er den gewohnten Luxus hinter sich läßt. Er entschließt sich zu einer Art „Recherchereise“ und begleitet seine Partnerin beim Besuch ihrer Familie während des buddhistischen Neujahrsfestes.

Die Alzheimer-Patientin aus der Schweiz kann immer noch sprechen. Sie hat lange in englisch sprachigen Ländern gelebt. Immer wieder hat sie Heimweh nach der Schweiz und fragt, wann sie zurückkehren wird. Langsam versucht der Heimleiter ihr zu vermitteln, daß sie auf Dauer in Thailand bleiben wird. Die Beziehung zu ihrer Betreuerin ist sehr innig und sie ist deren Englischlehrerin.

Aus den Lebensgeschichten dieser drei Personen ist ein eindrucksvoller 45minütiger Film mit dem Titel „Oma bleibt in Thailand“ geworden, den man in den nächsten Monaten unter der folgenden URL ansehen kann:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/videos/minuten593.html

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Multiprofessioneller Masterstudiengang: Versorgung von Menschen mit Demenz

Zum nächsten Wintersemester startet die Universität Witten / Herdecke einen Master-Studiengang „Versorgung von Menschen mit Demenz„. In der Presseerklärung heißt es:

In der zukünftigen Gesundheitsversorgung werden immer mehr Berufe und Bereiche des Alltags mit dem Thema „Demenz“ und mit demenziell erkrankten Menschen konfrontiert. Demenz stellt damit eine bedeutende sozialpolitische, ökonomische, humanitäre, zivil­ge­sellschaftliche und, beruflich betrachtet, eine multiprofessionelle Herausforderung dar, die in Deutschland im Bereich der Berufs­feldforschung und der Hochschulbildung bisher wenig berücksichtigt wurde.

Weil die Demenz nicht vor Fächergrenzen Halt macht, tut der Studiengang zum Thema dies auch nicht. Beteiligt an Lehre und Forschung sind deshalb alle drei Departments der Fakultät für Gesundheit (Humanmedizin, Pflegewissenschaft, Zahnmedizin) und ein Stab von Experten aus unterschiedlichen Berufsgruppen.

Es sind 24 Stipendien zu vergeben. Eine 16seitige Informationsbroschüre kann hier heruntergeladen werden.

Unprofessionell oder professionell?

Dieses Posting hat nichts mit Alzheimer oder Demenz speziell zu tun, sondern mit Pflegebedürftigkeit allgemein. Ein Freund hat Pflegestufe 1 genehmigt bekommen, damit er sich sein Leben so organisieren kann, daß er noch möglichst lang zuhause bleiben kann. Letzten Freitag haben wir zusammen einen Ausflug gemacht. Als wir zu ihm nach Hause kamen, waren zwei Anrufe auf seinem Anrufbeantworter aufgezeichnet.

Anruf Nummer 1:
„Guten Tag, hier Ros… (Rest des Namens war vernuschelt nicht verständlich – auch nach dreimaligem Abhören nicht). Ich bin Pflegeberaterin“ (ist das ein Beruf? Was für eine Qualifikation steckt dahinter? Ich vermute mal, jede/r kann sich so bezeichnen. Für mich hört es sich an wie ich-bin-Avon-Beraterin oder ich-bin-Tupper-Beraterin. Da kommt jemand von einer Firma ins Haus und will einem deren Produkte verkaufen.) Dann war zu erfahren, daß man mit ihr einen Beratungstermin unter der Telefonnummer xyz vereinbaren kann oder eine Nachricht hinterlassen kann, wann man einen nochmaligen Anruf wünscht.

Mein Freund war ganz aufgeregt: Wer ist das überhaupt? Was will die? Von wo ist die? Wie kommt die überhaupt an meinen Namen und meine Telefonnummer? Ich stehe doch nirgends. Wer kann das wissen? Er ist ganz aufgelöst (siehe unten). Ich beruhige ihn und schlage vor, daß wir die angegebene Nummer anrufen. So erfahren wir am schnellsten, wer dahinter steckt. Der Anrufbeantworter am anderen Ende der Leitung informiert uns, daß es sich um einen „Pflegestützpunkt handelt. Jeder Berliner Bezirk hat einen solchen Pflegestützpunkt, der Betroffene und Angehörige über mögliche Hilfs- und Unterstützungsangebote beraten und auf Wunsch bei der Vermittlung behilflich sein soll. Ich gehe ins Internet: Träger ist das Diakonische Werk Berlin Stadtmitte  und auf der Seite „Team“ ist keine Frau Ros… (wie auch immer) angegeben.

Liebe (Un-)Professionelle:
Ihr ruft nicht als Lieschen Müller Eure Freundin an, sondern als VertreterIN einer Institution. Wenn der Angerufene Euch nicht kennt, dann ist die Information enorm wichtig, was Euer institutioneller Hintergrund ist und wie Ihr an seine Daten gekommen seid und wer das in die Wege geleitet hat. Es kann Menschen tief verunsichern oder sogar verängstigen, wenn da auf einmal Frau oder Herr Unbekannt eine Nachricht hinterläßt: Merke: Im Jahr 2012 ist zwar die Nazizeit 62 Jahre und die DDR etwas über 20 Jahre vorbei. Wer aber ein Verfolgungsschicksal hat – sei es nun Nazizeit oder Stasi – oder beides, kann so eine Form der Kontaktaufnahme ganz schlecht ab. Solche Telefonate kann man auch in der Teambesprechung oder in der Praktikantenanleitung im Rollenspiel üben, weil es für ALLE sozialen Einrichtungen gilt.

Also langsam und deutlich etwa so wie auf dem 2. Anruf, der auch noch gespreichert war:

„Guten Tag Herr Müller-Meier. Hier spricht Lisa Mustermann. Ich bin Sozialarbeiterin bei der Volkssolidarität Berlin-Mitte. Sie hatten in unserer Geschäftsstelle angerufen und um einen Beratungstermin gebeten wegen häuslicher Pflege. Ich schlage Ihnen nächsten Dienstag 14. August um 11.00 Uhr bei Ihnen zuhause vor. Sie erreichen mich unter der Tel.nr. Sie können auch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen. Nochmal mein Name: Lisa Mustermann von der Volkssolidarität. Auf Wiederhören“.

Mein Freund ist Mitglied in der evangelischen Kirche und war auch einige Jahre ehrenamtlich sehr aktiv. Die Beratung hat er bei der Volkssolidarität wahrgenommen. Die Sozialarbeiterin war sehr kompetent und hat umfassend informiert. Vom Medizinischen Dienst haben die ambulanten Pflegedienste der Volkssolidarität im letzten Jahr die Note 1,0 bekommen.

Zum Weiterleisen verlinke ich auf einen Beitrag aus meinem alten Weblog:
Die Gegenwärtigkeit des Vergangenen – oder: Wenn die Vergangenheit nicht (mehr) vergangen ist

Mehr zu den Berliner Pflegestützpunkten ist hier zu finden.

„Vergiß mein nicht“ gewinnt Kritikerpreis in Locarno

Gestern ging das Filmfestival in Locarno zuende. Der deutsche Dokumentarfilm „Vergiß mein nicht“ von David Sieveking hat den Kritikerpreis gewonnen.

Bild vom Dokumentarfilm "vergiß mein nicht" von David Sieveking. Es zeigt den Filmemacher mit seiner Mutter.

Vergiß mein nicht

In „Vergiss mein nicht“ erzählt David Sieveking von der häuslichen Pflege seiner Mutter, die wie Millionen anderer Menschen an Alzheimer-Demenz leidet. Davids Eltern waren in der Studentenbewegung der 60er Jahre aktiv und haben eine „offene Beziehung“ geführt, die nun durch die Krankheit in dramatischer Weise auf die Probe gestellt wird. Die Veränderung der Mutter zwingt die Familie, sich mit ihren Konflikten auseinanderzusetzen, und lehrt sie einen herzlichen Umgang, der zu neuem Zusammenhalt führt. Mit Humor und Offenheit zeichnet sich David Sievekings Familienchronik durch ungekünstelte Teilnahme und liebevolle Zuneigung aus, wobei stets die Menschen und nicht die Krankheit im Zentrum stehen.

Nachtrag: In den letzten paar Stunden, in denen dieser Eintrag im Blog steht, kamen schon einige Menschen mit Suchworten, die deutlich machten, daß sie wissen wollten, wann der Filmstart ist und in welchem Kino der Film läuft. Beides ist noch nicht zu beantworten, weil selbst bei der Agentur, die den Film produziert hat, noch nichts zu finden ist. Ich trage das hier nach sobald es bekannt ist. Versprochen!

Der Produzent hat sich gemeldet (siehe Kommentare): Der Film kommt Mitte Januar 2013 in die Kinos.

Gebet senkt Alzheimer Risiko bei Frauen

Laut einer israelisch-amerikanischen Studie sinkt bei Frauen, die regelmäßig beten, sei es privat oder öffentlich im Gottesdienst, die Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken um 50 Prozent. Bei bereits Erkrankten verlangsamt das Gebet den Krankheitsprozeß.

Mehr dazu (auf englisch) hier:
http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/158642#.UCEMaaD12TI

 

 

Blutwäsche gegen Alzheimer

ist das Thema eines Artikels in der Berliner Morgenpost vom 4.8.2012. Berliner Forscher machen derzeit Versuche, die auf der Fragestellung basieren, ob manche Formen von Alzheimer „durch eine Autoimmunkrankheit hervorgerufen (sind), bei der sich der Körper irrtümlich gegen das eigene Abwehrsystem richtet?“

Zwei unabhängig voneinander arbeitende Forschungsteams  fanden „im Blut von Erkrankten verschiedene Antikörper aus einer fehlgeleiteten Immunantwort des Körpers. In beiden Fällen bewirkte eine spezielle Blutwäsche, die demente Patienten von diesen Antikörpern befreite, eine deutliche Besserung, zum Beispiel bei der Gedächtnisleitung. Doch bislang wurden erst ganz wenige Patienten behandelt.“

Dieses Thema hat das Potential für den diesjährigen Sommerlochfüller.
Mehr dazu hier:
http://www.morgenpost.de/web-wissen/article108480813/Berliner-Forscher-mit-neuem-Ansatz-gegen-Alzheimer.html