Krankentransport und Demenz

Krankentransport

Krankentransport

Gestern war ich bei einem Gespräch mit der Ärztin, die Günter im Rahmen einer Strahlentherapie ambulant behandelt hat. Zehn Mal wurde er mit dem Krankentransport einer bekannten Berliner Firma hin- und nach Hause gebracht. Die Firma fährt mit Wagen, die das Signet auf der Abbildung oben tragen durch die Stadt. Bis auf eine Ausnahme war es katastrophal und stressig. Grundsätzlich kamen die Fahrer knapp, meistens aber zu spät – und zwar erheblich zu spät. Einmal hatte Günter um 12.00 Uhr einen Bestrahlungstermin und das Fahrzeug holte ihn erst um 12.40 ab. Die Entfernung beträgt laut Routenplaner drei Kilometer und wenn man durchfahren kann, dann dauert es etwa 8 – 10 Minuten. Als ich nun die Herren bei dieser extremen Verspätung fragte, warum sie erst jetzt kämen, antworteten sie mir, sie hätten den Auftrag erst vor 15 Minuten erhalten.

Immer wieder rief ich bei der Firma H. an und mußte nachfragen, warum der Wagen denn noch nicht da sei und wie lange es noch dauert. Ich bekam immer nur verschwommene Aussagen und merkwürdige Begründungen wie beispielsweise, daß Liegendtransporte Vorrang hätten – Günter wurde in einer Sitztrage transportiert.

Eine Nachfrage bei der Krankenkasse erbrachte die Auskunft: „Das macht die Charitè. Da können wir nichts machen“. Darüber – und über anderes – wollte ich mit der behandelnden Ärztin sprechen, denn warum muß die Klinik mit einem Krankentransportunternehmen zusammenarbeiten, dessen schlechte Organisation ein unnötiges Maß an zusätzlichem Streß für die Kranken bedeutet. Bei dem einen optimalen Transport war Günter nach nicht einmal eineinhalb Stunden zuhause. Bei den suboptimalen Transporten dauerte es mindestens drei meistens vier Stunden und mehr. Wenn er nicht pünktlich zu seinem Termin da ist, dann muß er sich quasi hinten anstellen. Er hatte immer wieder Angst, daß er überhaupt nicht mehr dran kommt. Dazu kam, daß die Verwaltung des Krankentransportes den Fahrern falsche oder keine Angaben über den Transportweg machte. So wurde Günter einmal eine dreiviertel Stunde in ein anderes Krankenhaus transportiert.

Was ich von der Ärztin zu diesem Thema erfahren habe hat mich einigermaßen überrascht. Die Ärztin erzählte mir, daß das Kapitel Krankentransport eines der sehr unerfreulichen ihrer Arbeit sie. Jeden Tag gäbe es unendlich viel Ärger damit. Wenn ein Patient einen Krankentransport zu einer ambulanten Therapie benötigt, dann schreibt sie das dem Patienten auf. Mehr hat das Krankenhaus eigentlich nicht mehr damit zu tun. Der Patient setzt sich dann mit seiner Krankenkasse in Verbindung. Die Krankenkasse hat Verträge mit verschiedenen Transportunternehmen. Darunter kann der Patient sich dann ein Unternehmen aussuchen. In der Praxis läuft es dann oft so, daß das Krankenhaus gleich diese Verordnung an die Krankenkasse faxt um das Verfahren zu beschleunigen und die Krankenkasse dann sich mit einem Transportunternehmen in Verbindung setzt, das zu ihren Vertragspartnern gehört.

Außerdem erzählte die Ärztin, daß das Sozialgesetzbuch, das den rechtlichen Rahmen dieser Krankentransporte festlegt, vorschreibt, daß die Patienten von zuhause bis zum Eingang der Therapie-Einrichtung, in der die Behandlung stattfindet, bringen müssen. Es gäbe aber durchaus Verträge von Krankenkassen mit Transportunternehmen, die -gesetzeswidrig – festlegen, daß der Transport von der Wohnung zum Klinikgelände erfolge. Gerade bei dementiell veränderten Patienten könne das zur Folge haben, daß die dann mangels ausreichender Orientierung auf dem Klinikgelände umherirren. Es sei dabei auch schon vorgekommen, daß demente Patienten zu Schaden gekommen seien. Da habe dann die Krankenkasse versucht, das Krankenhaus haftbar zu machen.

Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Advertisements

2 Gedanken zu „Krankentransport und Demenz

  1. Einer guten Freundin aus einer anderen großen deutschen Stadt ist ähnliches passiert – nur hat sie keine Demenz, konnte für sich selbst kämpfen und telefonieren – und dennoch gab es nur Pleiten, Pech und Pannen.

  2. Wahnsinn. Erschreckend. Wird wohl wieder mal gespart auf Teufel komm raus – am Patienten natürlich, wo sonst. Wozu haben die Kassen das nötig? Sprich: Was machen die eigentlich mit den erwirtschafteten Überschüssen???

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s