Noch ein Film: Amour (Liebe) von Michael Haneke

Schon letztes Jahr ist dieser Film in den Kinos gelaufen und total an mir vorbei gegangen, aber jetzt bin ich auf ihn gestossen, weil ich aus beruflichen Gründen derzeit mein Französisch auffrische und dann das Kinoprogramm nach den in französischer Sprache laufenden Filmen durchforste.

Amour

Amour

Amour (Liebe) ist kein Film über Alzheimer. Eine sehr gute Filmkritik habe ich in der Süddeutschen Zeitung gefunden. Der Film erzählt von einem Ehepaar, Georges und Anne (Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva) , beide über achzig und Musikprofessoren im Ruhestand, die in Paris leben. Eines Tages sitzt Anne mit starrem Blick am Frühstückstisch, ist nicht ansprechbar und weiß später nichts mehr darüber (Foto links). Sie hatte einen Schlaganfall. Der Film erzählt die Geschichte der beiden bis zu Annes Tod, erzählt von einer mißglückten Operation, halbseitige Lähmung, Leben im Rollstuhl, zunehmende Einschränkungen. Der Lebensradius wird für beide immer kleiner. Eine Tochter lebt mit ihrer Familie im Ausland und kann auch nicht helfen. Finanziell sind die beiden in einer ziemlich priviligierten Situation. Vieles von dem was erzählt und gezeigt wird, kennen auch Menschen, die sich um einen Angehörigen mit dementieller Veränderung kümmern. Auch Windeln, Nahrungsverweigerung und Gewalt in der Pflege bleiben nicht außen vor bis dahin, daß Anne sehr deutlich ihren Todeswunsch zum Ausdruck bringt. Wie soll er damit umgehen. Es ist sehr eindrücklich wie die beiden Stars des französichen Kinos diese Geschichte umsetzen.

So erzählt dieser Spielfilm sehr viel mehr und sehr viel dichter, was eine chronische Krankheit mit kognitiven Einschränkungen für den Betroffenen und die Angehörigen bedeutet und ist auf einer tieferen Ebene viel „wahrer“ als der Dokumentarfilm „Vergiss mein nicht“ von David Sieveking, über den ich vor einigen Tagen geschrieben habe.

Ab Ende Februar soll es den Film auch als DVD für knapp 15 Euro geben. Kaufempfehlung!

Anmerkung 20. Februar 2013:
Amour ist für fünf Oskars nominiert und zwar als bester Film, für die beste Regie (Haneke) und Emanuelle Riva als beste Hauptdarstellerin. Außerdem ist Haneke für das beste Originaldrehbuch nominiert. Zudem könnte „Amour“, wie im Vorfeld erwartet, als Österreichs Beitrag noch den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film holen.
Anmerkung 25. Februar 2013
Amour hat den Oskar für den besten nicht englisch sprachigen Film erhalten.

Zum Weiterlesen über pflegende Angehörige (hier im Blog):
Neulich in der Alzheimer-Angehörigengruppe

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2 Gedanken zu „Noch ein Film: Amour (Liebe) von Michael Haneke

  1. Ich finde Oscars eigentlich nicht immer aussagekräftig, allerdings sind sie in diesem Fall wohl mehr als berechtigt. Der Regisseur hat übrigens ein gutes Interview im Spiegel gegeben, der Mann hat’s drauf!

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