Heute anders (1): Kleidung kennzeichnen

Letzte Woche war der dritte Todestag meiner Mutter. Die Zugriffszahlen auf diesem Blog sind erstaunlicherweise – wie ich finde – so hoch wie nie zuvor. Immer wieder werde ich gefragt, was ich rückblickend mit meinem heutigen Wissen anders machen würde. Deshalb habe ich mich entschlossen dazu eine kleine Serie zu machen, die unter der Kategorie „heute anders“ läuft.

Im ersten Heim, in dem meine Mutter fast eineinhalb Jahre lebte, war eine der ersten „Amtshandlungen“ beim Einzug, daß ich für die Wäschekennzeichnung 60 oder 80 Euro bezahlen sollte. Diese Wäschekennzeichnung sollte über das Einnähen von Namensetiketten erfolgen. Für die Unterwäsche lief das auch, jedoch wurde nur ein Bruchteil der Oberbekleidung gekennzeichnet. Dies war Aufgabe von Praktikantinnen und so hörte ich immer wieder von Mitarbeitern, die Kleidung würde eingemerkt, „sobald die Praktikantin Zeit hat“. Nur: Die Praktikantinnen hatten nie ausreichend Zeit. Als meine Mutter auszog war nur noch ein Bruchteil ihrer Oberbekleidung auffindbar. Das hat sie sehr schwer getroffen. „Alles wird mir hier gestohlen“ hat sie mehrmals dazu bemerkt.

Ich blieb freundlich und bestimmt, forderte immer wieder die Kennzeichnung und scheiterte. Ich wollte einfach nicht als „nörgelnde Angehörige“ laufen. Immer wieder sortierte ich Kleidung aus dem Schrank meiner Mutter aus, die ihr fälschlicherweise zugeordnet worden war, holte Mitarbeiter an den Schrank, führte Gespräche: Erfolglos. Dazu kam, daß die Kleidung im Heim gewaschen wurde. Das galt – so die Beratung für pflegende Angehörige – als positiv, denn wenn Kleidung außerhalb des Heims gewaschen wird, dann sei das Risiko von Diebstahl größer. Allerdings: Wenn nur Namensbänder mit ein paar Stichen eingenäht werden, dann können die schnipp-schnapp ganz schnell entfernt werden.

Heute würde ich zwei oder drei Gespräche führen und dann schriftlich eine Frist setzen und falls die Kleidung bis zu dieser Frist nicht gekennzeichnet ist, die Einrichtung auffordern, die Gebühr, die ich dafür entrichtet habe, auf mein Konto zu überweisen. Außerdem würde ich jedes Kleidungsstück – außer Unterwäsche -, das ins Heim kommt, mit einer Digitalkamera dokumentieren.

Dass es auch ganz anders geht, erlebte ich beim Einzug meiner Mutter ins zweite Heim. Nach dem Begrüßungskaffee in ihrem Zimmer wurde meine Mutter von der zuständigen Hauswirtschaftskraft Margit gefragt, welche Kleidungsstücke sie in den nächsten drei Tagen benötigen würde, damit diese sofort mit ihrem Namen gekennzeichnet werden könnten. Meine Mutter suchte diese Kleidungsstücke aus. Es wurde eine Vorlage erstellt und die gewünschten Kleidungsstücke mit einer Thermopatch-Maschine sofort gekennzeichnet. Die anderen Kleidungsstücke wurden in den folgenden Tagen gekennzeichnet. Die Kleidung wurde außerhalb gewaschen (Diebstahlsgefahr !!!) und zwar in einer nahegelegenen Einrichtung für geistig behinderte Menschen, die dort in Wohngruppen leben. Was soll ich sagen: In den fünf Jahren, die meine Mutter im Heim 2 lebte, ist kein einziges Kleidungsstück verschwunden. Und daß ich mit Margit eine ganz besondere Mitarbeiterin vor mir hatte, das konnte ich an diesem Nachmittag noch nicht wissen.

Zum Weiterlesen:
Wie der Einzug oder Wechsel in ein anderes Heim positiv gestaltet werden kann steht hier.

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4 Gedanken zu „Heute anders (1): Kleidung kennzeichnen

  1. Kenne ich gut, von der anderen Seite. Bei uns wird auch im Haus gewaschen. Also – Geld gespart… Denn wir bekommen nicht etwa mehr Zeit für den nicht unerheblichen Aufwand, der damit verbunden ist. Immer wieder finden sich auch bei uns in den Schränken fremde Sachen, die da nicht hingehören, auch wenn sie deutlich beschriftet sind. Natürlich weiß niemand, wie so etwas passieren kann… Zwei Fehlerquellen (wenn man mal von der sicher auch vorkommenden Schlampigkeit absieht) sehe ich vor allem: Das Sortieren im Wäscheraum an sich, und später das Einsortieren in die Bewohnerzimmer. Problem: Wir haben keine Hauswirtschaftskraft. Wenn es eine solche gäbe, würde das sicher nicht so oft vorkommen. Damit meine ich, dass die auch mehr Zeit hätte, und vor allem mehr Interesse an ihrem Job. Sortieren die Pflegekräfte ein, kann ja später niemand mehr nachvollziehen, wer den Fehler gemacht hat… So eine extra Stelle wäre ganz einfach, kostet den Arbeitgeber aber natürlich – Geld. Auch hier wird gespart – und wertvolle Zeit geht verloren für die eigentlichen Pflegetätigkeiten. Ein großer wunder Punkt bei uns, gut, dass das hier angesprochen wird! – Die Idee, das Geld zurückzufordern finde ich auch sehr gut!

    • Nachtrag – und die ganzen Streitigkeiten bei Schichtübernahme, wenn es heißt „Wie sieht es denn hier aus??? Hat sich der (bitte vorhergehende Schicht einsetzen) …-Dienst denn nicht um die Wäsche gekümmert???“ kann ich auch nicht mehr hören. Ich wäre so froh, wenn ich das los wäre.

      • Danke für diese Anmerkungen, aber im Heim1 kann es nicht aufgrund der personellen Situation so gelaufen sein. Die Wäscherei lief total getrennt vom Pflegebereich in der Wohngruppe. Die Wohngruppe hatte 10 bis 12 Bewohner, für die tagsüber 2 – 3 Pflegepersonen da waren (Altenpfleger, Krankenschwestern, Pflegeassistent, Altenpflegepraktikantin in Kombination).

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