Programmtipp: stiller Abschied

Screenshot ARD

Screenshot ARD

Zum 75. Geburtstag von Christiane Hörbiger zeigt die ARD zur Zeit viele der Filme dieser beeindruckenden Schauspielerin. Am Montagabend (14. Oktober) wird zur besten Sendezeit um 20.15 h der Spielfilm aus dem Jahr 2012 „stiller Abschied“ gezeigt. In diesem Film spielt Christiane Hörbiger eine Geschäftsfrau, die selbst noch im Alter von 70 Jahren ihr Unternehmen führt. In der Homepage zur Sendung heißt es:

„Es beginnt mit Kleinigkeiten, die man noch amüsant finden kann: Mal steigt Charlotte in ein falsches Auto, mal kommt sie in Hauspantoffeln ins Büro. Doch es wird schlimmer. Immer öfter kann sie sich nicht mehr an alltägliche Begriffe erinnern, weiß bei Konferenzen plötzlich nicht mehr, worum es eigentlich geht, und fühlt sich in der Firma von allen Seiten hintergangen.

Doch obwohl Charlotte sehr genau spürt, dass sie ihre Vergesslichkeit und ihre Aussetzer nicht nur dem Alter zuschreiben kann, verdrängt sie das Problem. Mit viel Mühe gelingt es ihr, ihre Umwelt über ihren Zustand hinwegzutäuschen. Ihr Sohn Markus und ihre ebenfalls erwachsene Tochter Sandra bemerken zwar die Veränderungen, wollen die Situation aber zunächst nicht wahrhaben. Erst Markus‘ neue Lebensgefährtin, die ausgebildete Krankenschwester Katrin, findet den Mut, die Dinge beim Namen zu nennen: Charlotte leidet an fortschreitender Demenz.“

Anschließend wird das Thema in der Talkshow „Hart aber Fair“ von Frank Plasberg um 21.45 h aufgenommen: Diagnose Alzheimer – Mildes Wegdämmern oder Absturz ins Dunkel?

Gäste:
Dr. Oliver Peters (Oberarzt Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Charite Berlin; leitet die „Gedächtnissprechstunde“ für Demenzkranke und forscht an einer wirksamen Therapie gegen Alzheimer)
Cornelia Stolze (Diplom-Biologin und Wissenschaftsjournalistin, Buchautorin „Vergiss Alzheimer! – die Wahrheit über eine Krankheit, die keine ist“)
Werner Hansch (Sportreporter, enger Freund des demenzkranken Rudi Assauer)
Lisa Fitz (Kabarettistin, ihre Mutter leidet an Demenz)
David Sieveking (Dokumentarfilmer, hat den Film „Vergiss mein nicht“ über seine demenzkranke Mutter gedreht)

Montag 14. Oktober 2013
20.15 – 21.45 h: stiller Abschied (ARD)
21.45 – 23.00 h: Hart aber Fair: Diagnose Alzheimer – Mildes Wegdämmern oder Absturz ins Dunkel? (ARD)

Zum Weiterlesen:
Meine Filmkritik zu David Sievekings Film Vergiss mein nicht

Fernsehtipp: „Schockdiagnose Alzheimer“ bei Maischberger

Letzte Woche wurde im Fernsehen der Spielfilm „die Auslöschung“ ausgestrahlt, Ich habe die Vorschau dazu gesehen und entschieden, daß ich den Film nicht sehen möchte. Die Sicht, die vermittelt wurde, war zu sehr von der defizitären Seite der Demenz geprägt. Vermutlich hat es mit diesem Film zu tun, daß in der nächsten Talkshow „Menschen bei Maischberger“ das Thema „Schockdiagnose Alzheimer: Unheimlich und unhailbar“ dran ist.

Die Gästeliste klingt interessant:
Gäste: Lisa Fitz (Mutter demenzkrank/Kabarettistin), Eva Jacob (Schwester demenzkrank/Sängerin der „Jacob Sisters“), Gabriele Briem (Ehemann demenzkrank), Helga Rohra (demenzkrank), Prof. Dr. Frank Jessen (Alzheimer-Experte), Jens Spahn (Gesundheitspolitischer Sprecher/CDU). Besonders auf Lisa Fitz, die gern und viel quer denkt und sagt und auf Helga Rohra, die selber betroffen ist, bin ich gespannt.

Dienstag, 21.05.2013, 22:45 Uhr, ARD
(Wiederholungen:
Mittwoch, 22.05.2013, 03:35 Uhr, ARD
Sonntag, 26.05.2013, 1:00 Uhr, 3sat)

Weltbilder: Alzheimerdorf Hogewey

Vom Alzheimer-Dorf in den Niederlanden war hier im Blog schon öfter die Rede. Viele kommen bei ihrer Suche danach auf dieses Weblog. Mitte Januar hat der NDR in seiner Sendung „Weltbilder“ einen knapp siebenminütigen Beitrag über diesen Ort und seine Bewohner gezeigt. Was nun bei diesem Video anders ist als bei früheren Fernsehbeiträgen ist, daß hier mehr über die unterschiedlichen Lebensstile im Alzheimerdorf sichtbar wird.

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Wer mehr über Hogewey wissen will, kann die Suchfunktion dieses Weglogs nützen, in der rechten Spalte über dem Kalender.

Nachtrag Mai 2012:
Artikel aus der Frankfurter Rundschau:

Ham Se gut gemacht: Anschauen!

In der 37 Grad – Serie wurde gestern die Reportage „Rudi Assauer – ich will mich nicht vergessen“ von von Stephanie Schmidt gezeigt. Sie hat Rudi Assauer über ein Jahr lang begleitet. In jedem Moment wird respektvoll mit Rudi Assauer, seiner – damaligen Frau – Freunden, der Büroleiterin und der Tochter umgegangen. Es ist sehr beeindruckend, wie Stephanie Schmidt sich auf die Welt des Rudi Assauer eingelassen hat. Anschließend wurde bei Markus Lanz über das Thema Demenz diskutiert. Dabei wurde Frau Schmidt dann gefragt, ob Rudi Assauer den Film gesehen habe und wie er darauf reagiert habe. Ja, Herr Assauer hat den Film gesehen und dazu gemeint: Ham Se gut gemacht!

Screenshot: 37 Grad - Rudi Assauer

Dem ist nichts hinzuzufügen. Im Gegensatz zum Stern-Portrait über Rudi Assauer, in dem der Verfasser Alzheimer zur „Kernschmelze der Persönlichkeit“ erklärte, macht der Film von Frau Schmidt deutlich, daß auch der dementiell veränderte Mensch eine Persönlichkeit mit Potentialen ist. Ein kurzer 6minütiger Beitrag über dieses Jahr ist auch zu finden. Die Website zur 37 Grad – Sendung ist hier .

Stephanie Schmidt über ihr Jahr mit Rudi Assauer (Video 6 Minuten)
Ich will mich nicht vergessen (37 Grad Sendung – 30 Minuten)
Volle Kanne Frühstück mit Rudi Assauer (Video 45 Minuten)

rasante Beschleunigung von Alzheimer beim Umzug ins Heim?

Seit längerer Zeit ist Demenz immer wieder Thema in der „Sachsenklinik“, also der beliebten Krankenhausserie „in aller Freundschaft“. Die alleinerziehende Ärztin Katrin Globisch kümmert sich auch noch um ihre an Alzheimer erkrankte Mutter. Bis jetzt klappt es mit einer privaten Pflegerin mehr oder weniger gut. Wenn die Pflegerin sich verspätet oder krank ist, kommt Katrin Globisch regelmässig in die Bredouille. Da dieser Alltag wegen der Ausfälle der Mutter immer schwerer lebbar ist, steht nun die Frage, ob es zuhause noch weitergehen kann oder ein Umzug ins Heim dran ist, auf der Tagesordnung (Folge 540). Im Gespräch mit ihren Freunden und Ärztekollegen fällt der Satz, den ich schon unzählige Male gehört habe:

„Der Umzug in ein Heim beschleunigt diese Krankheit meistens rasant“

Meinen Beobachtungen entspricht das nicht. Klar, jede Änderung in der Struktur ist für dementiell veränderte Menschen enorm schwierig, und aus der Streßforschung ist bekannt, daß Umzüge zu den Lebensereignissen gehören, die sehr großen Streß mit sich bringen. Es kann sein, daß ein solcher Umzug einen Krankheitsschub auslöst. Ich habe jedoch häufig beobachtet, daß bei gut geführten Heimen die Umzugs- und Eingewöhnungsphase sehr bewußt gestaltet wird. Viele Kranke leben in der neuen Umgebung auf. Der Streß ist deutlich reduziert, weil sowohl die Gestaltung des Heims als auch der Umgang des Pflegepersonals auf die dementiell veränderten Menschen abgestellt ist. Der Kranke erlebt andere Kranke mit ähnlichen Schwierigkeiten.

In einem Heim gibt es auch viele unterschiedliche Angebote, die dazu beitragen sollen, die vorhandenen Fähigkeiten so lange wie möglich zu erhalten. Unterschiedliche Angebote helfen den Bewohnern, ihren Tag zu strukturieren und zu gestalten. Und wer seine Ruhe haben will, kann auch das haben. In Mamas Heim gab es regelmässig Gymnastik, Singen, Musik, Beschäftigungsangebote unterschiedlicher Art, Ausflüge zum Tierbauernhof, Besuch eines Therapiehundes, Gottesdienst, Gartengruppe, Sportgruppe. Regelmässig kam eine Hortgruppe zu Besuch. Und am Jahr entlang wurden alle möglichen Feste gefeiert.

Und dass die Alzheimer-Krankheit fortschreitet, liegt leider in der Natur dieser Krankheit.

Schicksal Alzheimer

heißt das Thema der Diskussionsrunde bei Günter Jauch.

Gäste:
Daniel Bahr, FDP, Bundesminister für Gesundheit
Manuela Schwesig, SPD, Landesministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern
Britta Nagel, Journalistin und Autorin pflegte ihre Mutter
Gerhard Bräuer ist an Alzheimer erkrankt
Oliver Peters, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin

Gedankensplitter und Beobachtungen:
– Gerhard Bräuer, 59 Jahre alt hat vor 1 1/2 Jahren erfahren, daß er Alzheimer hat. Autofahren kann er nicht mehr und auch seine Zahnarztpraxis mußte er aufgeben. Die Fragen von Günter Jauch an ihn finde ich äußerst unsensibel: Denken Sie daran, was in 5, 10 oder 15 Jahren sein wird? Hoffen Sie auf den medizinischen Durchbruch? Können Sie sich vorstellen, daß Sie Ihre Kinder eines Tages nicht mehr erkennen?
– Günter Jauch fragt das Publikum, wer einen Demenzkranken in seinem Umfeld hat. Die Leute haben die Eintrittskarten gekauft, als das Thema noch nicht bekannt war. 49 % sagen JA.
– Warum wurde keine Pflegekraft, die mit dementiell veränderten Menschen arbeitet, eingeladen?

Omas neue Polin …

heißt eine halbstündige Dokumentation, die heute 19. November 2011 um 18.02 im rbb gezeigt wird. Im Ankündigungstext zur Sendung heißt es:

Omas neue Polin (Bild zur Dokumentation)

Für Gisela M. stand immer fest: Sie schickt ihre Mutter nicht ins Altersheim. Als es soweit gewesen wäre, gab sie ihre Arbeit als Berufsschullehrerin auf und übernahm die Pflege selbst. Nach zweieinhalb Jahren aber musste sie passen.

In ihrem persönlichen Leben stimmte nichts mehr. Ihre Gesundheit hatte gelitten und ihren Ehemann sah sie kaum noch. Deshalb engagiert Gisela M. für ihre Mutter, die pflegebedürftige, inzwischen 92-jährige Erna Z., eine Betreuerin aus Polen. Für zwei Monate kommt Greta S. nach Caputh (Brandenburg), um in dem kleinen Häuschen der alten Dame im gleichen Raum mit ihr zu schlafen, rund um die Uhr an ihrer Seite zu sein. Bringt die junge, unbekümmerte Polin die erhoffte Entlastung für das Ehepaar M.? Und wie geht es der Oma damit, dass nicht mehr ihre Tochter, sondern eine Fremde bei ihr ist? Wie kommt Greta mit den Erwartungen der Familie zurecht? Der Film zeigt acht Wochen voller Höhen und Tiefen. Dokumentation von Petra Cyrus

Also, lassen Sie mich wiederholen, was ich verstanden habe:

Gisela M. ist mit 60 Jahren als ihre Mutter pflegebedürftig wurde, in den Vorruhestand gegangen. Nach etwas mehr als 2 1/2 Jahren hat die Pflege sie an den Rand ihrer Kräfte gebracht. Ihren Ehemann sieht sie kaum noch. Und nun kommt über eine Agentur Greta für zwei Monate.

Greta, die 28jährige Pflegerin aus Polen, spricht gut deutsch, denn sie hat in Nürnberg Abitur gemacht. Das ist MEHR als man von einer Haushaltshilfe erwarten kann. Es ist auch nicht die erste Familie, in der sie tätig wird, und bevor sie überhaupt in Familien mit alten Menschen arbeitet, hat sie ein halbes Jahr lang ihre alzheimerkranke Oma in einem Dorf in Niederschlesien betreut. Das tut jetzt Gretas Mutter im Wechsel mit Gretas Tante. Greta erhält 1000 Euro im Monat. Dafür ist sie für die Betreuung der Oma und deren Haushalt zuständig. Die Oma wohnt in einem kleinen Häuschen. Auf dem gleichen Grundstück befindet sich ein größeres Haus, in dem Tochter und Schwiegersohn wohnen. Das Ganze läuft über eine Agentur, ist also legal. Dass Greta faktisch mehr als eine „Haushaltshilfe“ ist, lassen wir mal außen vor. Sie schläft mit der Oma im Zimmer, und wenn die Oma nachts raus muß, dann Greta auch. Das kann einmal sein. Das kann siebenmal sein. Greta jedenfalls muß in Bereitschaft sein. 2 bis 3 Stunden täglich hat Greta Freizeit. In den zwei Monaten, die Greta da ist, sind das 1281 Stunden (ein Monat zu 30 einer zu 31 Tagen gerechnet und 21 Stunden Anwesenheit). Das läuft dann auf 1,56 € pro Stunde raus. Ein Aupair darf in Deutschland 30 Wochenstunden eingesetzt werden und bekommt 260 Euro Taschengeld, Sprachkurs und Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr.

Für Familie M. kostet Gretas Einsatz 1900 Euro im Monat sowie freie Kost und Unterkunft. Das geht nur, weil auf die Ersparisse der Oma zurückgegriffen wird. Die 1000 Euro für Greta liegen im Mittelfeld (800 bis 1200 Euro ist das Spektrum). Ich habe die Sendung mit sehr gemischten Gefühlen gesehen: Die junge Polin, die sehr frisch und einfühlam mit der pflegebedürftigen Frau umgegangen ist. Die Tochter, selbst schon in Rente, die genaue Vorgaben machte und der jungen Pflegerin zum Vorwurf machte, daß sie freundlich ihre Arbeit tut, aber nicht mehr. Kann man jemanden vorwerfen, daß er keine familiäre Bindung aufbaut?

Greta hat mich in ihrer Art sehr an die jungen Frauen erinnert, die ich in den letzten Jahren getroffen habe, weil sie in Mamas Heim als Pflegehelferinnen ausgebildet wurden. Und wie muß das sein, so einer Familie ausgeliefert zu sein. Im Gespräch mit der Dokumentarfilmerin wurde deutlich, daß Greta den Job nicht schmeißen kann, wenn er ihr nicht gefällt, denn dann bekommt sie eine Vertragsstrafe. Krankheit wäre ein Grund zum Aussteigen. Und daß von Greta erwartet wird, daß sie bei der pflegebedürftigen Frau im Zimmer schlafen wird / muß, das hat sie erst bei der Ankunft erfahren. Macht ihr nichts aus, sagt sie. Was soll sie unter diesen Bedingungen auch sagen? Und an wen kann Greta sich wenden außerhalb der Familie? Welche sozialen Kontakte gibt es für sie? Einmal fährt sie nach Potsdam. Da wird sie sich vermutlich auch jeden Milchkaffee für 2,80 Euro überlegen. Weil jeden Euro, den sie ausgibt, den bringt sie nicht nach Hause.

Vor dem gemeinsamen Essen wird gebetet. Da sind von einer polnischen Pflegerin im allgemeinen keine Schwierigkeiten zu erwarten. Aber auch das wäre – meiner Ansicht nach ein Punkt, der vorher mitgeteilt werden sollte, damit die Helferin sich darauf einstellen kann.

Und für mich wurden die Verhältnisse nicht klar: Gehört das Grundstück der Oma und Tochter und Schwiegersohn leben auch da?

Ich kann mir nicht helfen: Für mich ist das Ausbeutung und eine moderne Form der Sklaverei.

Ich kenne die Familie M. nicht, aber mir scheint es bei diesen Arrangements ganz häufig so zu sein, daß es um das Thema geht: Unser Erbe muß erhalten bleiben. Mutters / Vaters Haus darf nicht verkauft werden für die Pflegeaufwendungen. Das ist ein Thema der (gehobenen) Mittelschicht. Und da auch die Journalisten, Redakteure etc., die diese Themen in den Medien gelegentlich angehen, dieser Schicht angehören und irgendwann vor dieser Frage stehen werden, wird das weiterhin Tabu bleiben.

Wiederholung:
Donnerstag 12. Jan. 2012 um 22:25 im mdr

Mein Mann ist dement – wenn die Liebe an ihre Grenzen kommt …

heißt eine Dokumentation, die am Samstag, den 17. September um 18.02 im rbb gezeigt wird. Ein halbes Jahr hat ein Fernsehteam des NDR zwei Paare begleitet. Im Sendetext heißt es:

Erika Weber hat Angst vor dem Tag, an dem ihr Mann sie nicht mehr erkennt. Dann wird sie sich ganz allein fühlen, obwohl sie doch ihren Ehemann Wolfgang an ihrer Seite hat. Seit 35 Jahren ist die Erzieherin mit dem ehemaligen Lehrer nun verheiratet. Zwei Kinder hat das Paar groß gezogen, ein Haus gebaut. Träume hatten sie für einen gemeinsamen Lebensabend, aber die haben sich nun alle in Luft aufgelöst. Vor acht Jahren wurde bei ihm eine Demenz diagnostiziert, seither wird er nach und nach wieder zum Kind. Jetzt fragt sie sich, wie lange sie ihren Mann noch zu Hause betreuen kann.

1,3 Millionen Demenzkranke leben in Deutschland, Tendenz steigend. Die meisten werden von Familienangehörigen gepflegt – oft unter enormen Schwierigkeiten. Denn nicht immer sind die Kranken leichte Patienten: Aggressivität und körperliche Attacken können zum Krankheitsbild gehören. Auch Erika Weber wurde schon einmal von ihrem kranken Mann angegriffen. Für sie der schlimmste Moment ihrer Ehe, obwohl sie weiß, dass er nichts dafür kann. Auch Karin David fragt sich, wie lange sie die Pflege ihres Mannes Dieter zu Hause noch bewältigen kann. Dass die ehemalige Kauffrau keinen Freiraum mehr für sich hat, im täglichen Zusammenleben „keine Luft mehr bekommt“, hat sie an ihre körperlichen und psychischen Grenzen gebracht. Doch ihren Mann ins Heim geben? „Dann hätte ich ein schlechtes Gewissen“, sagt sie.

Lebensabend in der Fremde …

ist ein Beitrag überschrieben, den das Auslandsjournal heute um 22.15 h ausstrahlen wird. Es geht wieder mal um Baan Kamlangchay, ein Projekt für Demenzkranke in Thailand, das der Schweizer Makrus Woodtli gegründet hat. In der Vorschau heißt es:

Baan Kamlangchay ist mehr als ein Heim für Erkrankte. Hier werden die Patienten „Gäste“ genannt und auch so behandelt. Während Seniorenresidenzen in Deutschland sich vornehmlich auf das „Versorgen und Pflegen“ zu konzentrieren scheinen, steht in Thailand „Leben und Genießen“ im Vordergrund. Das Nachlassen geistiger und körperlicher Fähigkeiten im Alter gilt bei den Thailändern als normal und ist nicht mit den gleichen Ängsten behaftet wie in Deutschland. Liebevolle Betreuung und vergleichsweise niedrige Personalkosten sind die Hauptgründe für den Erfolg dieses Projekts in Thailand. Dennoch gestaltet sich die Pflege auch hier nicht ganz einfach, denn die deutschen Krankenkassen zahlen nicht für die Behandlungskosten in Ländern außerhalb der Europäischen Union mit denen kein Sozialversicherungsabkommen besteht.

Das läßt nicht unbedingt einen kritischen Zugang zum Thema erwarten. In meinem alten Weblog hat eine regelmässige Leserin, die Lehrerin für Pflegeberufe und Pflegewissenschaftlerin ist, ihre Fragen und Einschätzungen aufgeschrieben. Mehr dazu hier.