Polnische Pflegekräfte und Ausbeutung …

so lautete gestern eine Suchanfrage, die zu diesem Weblog führte. Das machte mich neugierig und ich gab diese Kombination meinerseits ein um herauszufinden, was darunter zu finden ist. Natürlich sind Pflegekräfte Haushaltshilfen gemeint. Und seit längerer Zeit gibt es die Möglichkeit, polnische Kräfte legal einzustellen. Ich bin tatsächlich auf eine Agentur gestossen, die sich von jeglicher Form der illegalen Arbeit polnischer Pflegerinnen distanziert.

Wenn man eine polnische Pflegekraft oder Haushaltshilfe legal anstellt d.h. für sie werden im Heimatland Krankenversicherungsbeiträge, Sozialversicherungsbeiträge und Rentenversicherung und Unfallversicherung abgeführt, außerdem wird das Gehaltsniveau im Heimatland – also Polen – herangezogen, dann kostet das je nach Vorqualifikation der betreffenden Person zwischen 1500 und 2400 Euro monatlich.

Dazu sind vom Arbeitgeber die Kosten für Unterkunft und Verpflegung zu tragen und die Kosten für An- und Rückreise. Je nach Fahrtstrecke würden diese zwischen 80 und 200 Euro (für Hin- und Rückfahrt) betragen und alle drei Monate anfallen, weil alle drei Monate eine neue Pflegekraft anreist.

Außerdem wird pro Vertrag eine Bearbeitungsgebühr von etwas über 350 Euro berechnet, das wären 1200 Euro im Jahr für vier Vertragsabschlüsse.

Wenn man einen mittleren Reisekostenwert von 150 Euro zugrunde legt, dann kommt man auf monatliche Aufwendungen zwischen 1666,00 Euro und 2534,00 Euro, wobei die Kosten für Unterkunft und Verpflegung noch nicht eingerechnet sind.

Man geht davon aus, daß 100 000 Pflegebedürftige zuhause versorgt werden. Abgesehen von einer Fernsehdokumentation, in der Familien gezeigt wurden, die eine polnische Pflegekraft legal eingestellt haben und unendlich viel Papierkram damit verbunden war, habe ich noch nie jamanden kennengelernt, der die hier genannten Beträge für eine Pflegekraft aus Osteuropa, egal ob aus Polen, Litauen, Weißrussland oder Rumänien. Mein Eindruck ist vielmehr, daß sich die Herkunftsländer immer weiter nach Osteuropa in die ärmeren Regionen verschieben.

Vermittlung von Haushaltshilfen aus Osteuropa

Einer der häufigen Suchbegriffe, die auf dieses Weblog führen ist die Kombination von „Pflegekraft“ und „Polen“ oder „Osteuropa“.
In den letzten sieben Tagenlas sich das so:
Was kostet eine Polin
Was kostet eine Polin zur Pflege
Polin Pflegekraft
Polin Haushaltshilfe was darf sie kosten
wohnen Betreuung Polin
was kostet Polin die sich um Senioren kümmert

Nur die Suchanfragen nach dem Demenzdorf in den Niederlanden übersteigen die Anfragen nach den Haushaltshilfen aus Osteuropa.

Deshalb sei auf den Blogeintrag von Frau Apfelriemchen verwiesen, die ihre Erfahrungen bei der Suche nach einer polnischen Pflegekraft Haushaltshilfe beschreibt und zwar hier.

Zu diesem Themenbereich habe ich in den letzten Jahren einige Postings verfaßt:
Legal, illegal – scheißegal (2.9.2005)
Nahe Fremde ein Artikel von Felice Röhrs im Tagesspiegel (23.3.2006)
Nahe Fremde Anmerkungen zu einem Artikel von Felice Röhrs im Tagesspiegel (23.3.2006)
Wenn die Welt abhanden kommt (16.4.2006)
Moderne Arbeitssklaven – das illegale Geschäft mit der Pflege (18.9.2007)
Ein Engel für Opa (9.1.2008)
Pflege verfahren – über ein Gerichtsurteil über einen Vermittler von Pflegekräften (18.11.2008)
Und hier im wordpress-blog letztes Jahr im November:
Wieder mal: Pflegehilfen aus Osteuropa
Omas neue Polin (19.11.2011)

Wieder mal: Pflegehilfen aus Osteuropa

Pflegehilfen aus Osteuropa
Wie Betroffene in Notlagen schikaniert und kriminalisiert werden
ist einer der Beiträge von Report Mainz in der ARD um 21.45 h angekündigt.

schrieb ich in meinem letzten Blogeintrag. In dem Beitrag ging es um Angehörige von Pflegebedürftigen, die sich Helfende aus einem osteuropäischem Land holen. Das geht legeal über die Bundesagentur für Arbeit und dauert etwas länger wegen der Formalitäten. Die osteuropäischen Helfer sind dann angemeldet und sozialversicherungspflichtig und krankenversichert beschäftigt und haben eine Arbeitszeit von 38,5 Stunden. Aber meist geht es um etwas anderes, nämlich daß osteuropäische Hilfskräfte, die desöfteren durchaus eine medizinische Vorbildung haben, zum Billigtarif rund um die Uhr oder fast rund um die Uhr für einen Pflegebedürftigen da sind.

Schon die Anmoderation des siebenminütigen Beitrages hatte es in sich. Da wurde polemisiert in Richtung „… um ihre Angehörigen nicht ins Heim abschieben zu müssen“. Als ob ein Heim immer nur eine schlechte Option sein kann. Natürlich wird man sich bemühen, jemand so lang wie möglich in seinem Umfeld zu belassen. Allerdings sollten dabei auch die Helfer und ihre Belange im Blick bleiben.

Zwei Angehörige wurden anonymisiert gezeigt. Sie hatten sich Hilfe über eine Agentur aus Osteuropa geholt. Eine verstellte Männerstimme wunderte sich, daß bei der Zahlung von 850 Euro Vermittlungsgebühr und wöchentlich 200 Euro auf die Hand für die Pflegekraft – „also schwarz“ fragt der Reporter noch nach – etwas nicht in Ordnung sein solle und er kriminalisiert werde. Er dachte, das wäre alles rechtens. Bis ihm dann der Zoll auf den Hals gehetzt“ wurde.

Ein Mitarbeiter des Zolls im München sagte in seinem Statement, daß monatlich um die 250 Anzeigen aus diesem Bereich reinkämen.

Eine namentlich genannte Frau, die das umständliche Behördenprozedere durchgestanden hat und namentlich interviewt wurde, meinte, sie würde es nicht mehr legal machen.

Im alten Weblog hatte ich schon Einiges zu diesem Thema geschrieben

September 2005:
Legal – illegal – scheißegal

23. März 2006:
Nahe Fremde
über einen Artikel im Tagesspiegel

In der Sendung Frontal 21 (ZDF) gab es vor längerer Zeit einen ca. 7minütigen Beitrag über „moderne Arbeitssklaven“, der die Situation der osteuropäischen Hilfskräfte aus deren Blickwinkel zeigte und auch, welche Auswirkungen es auf die Familien in Osteuropa hat. Leider funktioniert der Link nicht mehr.