Wenn der Vater langsam verschwindet …

Im September habe ich in der Print-Ausgabe des Spiegel einen Artikel über die Alzheimer-Krankheit aus der Sicht der 15jährigen Tochter gelesen, den ich sehr beeindruckend fand. Eine solche Perspektive ist ja auch eher selten:

Annegret Frenzel war 15 Jahre alt, als sie merkte, dass etwas anders war. Ihre Mutter war im Urlaub, hatte Vater und Tochter Bargeld da gelassen. Schon am ersten Tag war alles weg. „Ich fragte meinen Vater, was er damit gemacht hat, aber er wusste es nicht.“ Geglaubt hat sie ihm nicht. „Ich vermutete, er könnte alkohol- oder spielsüchtig sein…“

Der vollständige Artikel ist jetzt online und zwar hier.

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Nicht die Krankheit ist tückisch sondern die deutsche Bürokratie …

So ist ein Interview überschrieben, das der Humanistische Pressedienst mit Wiebke Hoogklimmer geführt hat. Hier im Blog habe ich ihre CDs Volkslieder als Therapie bei Demenzerkrankungen und die Weihnachtslieder-CD vorgestellt. Mit diesem Projekt hilft Wiebke Hoogklimmer Angehörigen und Pflegekräften einen besonderen Zugang durch das Singen zu finden. Das Interview finde ich sehr lesenswert, weil es ganz unterschiedliche Dimensionen, nämlich die persönliche und die politische thematisiert.

Meine Mutter ist nicht mehr da …

Im Weblog Kleinerdrei – was uns am Herzen liegt, erzählt Andrea, wie sie ihre Mutter, die an der Levy-Body-Demenz erkrankt war, bis zu deren Tod begleitet hat. Es ist ein längerer, sehr berührender und ehrlicher Text in sieben Teilen:

Teil 1 – Diagnose
Teil 2 – Umgang mit Tod und Trauer
Teil 3 – Kontrolle, Angst und Liebe
Teil 4 – Kommunikation, Sprachlosigkeit und Vergessen
Teil 5 – Orientierungslosigkeit und Halluzinationen
Teil 6 – Verständnis von Gesundheit und den Umgang mit Ärzten
Teil 7 – im Heim: Auswahrl, Umzug und das Leben im Heim

Ohne Glauben – Spiritualität demenzerkrankter Menschen

… heißt ein Artikel auf der theologischen Internetplattform feinschwarznez:

Wie in einem Brennglas konzentriert das Thema Alzheimer die Ängste der Menschen. Demenz ist der verdrängte Schatten der Neuzeit, 1 ist der Theologe und Gerontopsychologe Stephan M. Abt überzeugt.

Demenz bedeutet den Verlust von Vernunft, Kontrolle und Autonomie, und das bei vollem Bewusstsein. Gerade aber über seine Rationalität definiert sich der souveräne Mensch der Neuzeit. Droht uns vor dem Sterben neben dem sozialen Tod durch Vereinsamung und Verarmung im Alter nun auch noch der rationale Tod durch Alzheimer?

Zum vollständigen Artikel geht es hier.

 

Ich konnte sie doch nicht im Stich lassen …

Ein sehr lesenswerter Artikel über Frühdemenz, der aus der Perspektive des pflegenden Ehemannes verfaßt ist. Er hat seine Frau sechs Jahre lang begleitet als sie mit 51 die Diagnose Alzheimer bekam. Auch das Thema „Aggressionen“ und die Schwierigkeit damit umzugehen wird nicht ausgespart. Besonders ist an diesem Artikel noch, daß der berichtende Journalist den Ehemann als ehemaligen Kollegen kennt.

Osteuropäische Haushaltshilfen: Vor Ort Abladen und Auftanken

In Markdorf am Bodensee haben Ehrenamtliche der Caritas für osteuropäische Frauen, die als Haushaltshilfen rund um die Uhr in Familien Kranke betreuen ein neues Angebot geschaffen. Regelmäßig können sich die Frauen treffen, um deutsch zu lernen und sich über ihre Situation auszutauschen. In der Sozialcourage 3 / 2016 ist darüber ein Artikel erschienen: Ein Ort zum Abladen und Auftanken.

Der Artikel endet mit folgenden kritischen Überlegungen:

Arbeiten in der Grauzone

Trotz verschiedener Bemühungen, die Situation fairer zu gestalten: Die 24-Stunden-Betreuung von Senioren bleibt eine Grauzone. Je nach vermittelnder Agentur haben die Frauen mal deutsche, mal polnische oder bulgarische Arbeitsverträge. Lohn und Freizeit sind nach dem entsprechenden Arbeitsrecht geregelt – wobei eine 24-Stunden-Haushaltshilfe nie auf den deutschen Mindestlohn kommen wird.

Gerda Dilgers Absicht ist nicht, sich in solche Verträge einzumischen. Wenn sie von Missständen erfährt, ermutigt sie die Frauen, die Beteiligten auf ihr Problem aufmerksam zu machen und mit ihnen Lösungen zu suchen: mit dem Hausarzt, den Angehörigen, der vermittelnden Agentur, mit Nachbarn.

Im Austausch mit den Vermittlungsagenturen gibt sie auch mal den einen oder anderen Tipp, zum Beispiel, dass die Familien angehalten werden, für die Osteuropäerinnen Internet und Skype einzurichten, damit sie Kontakt in die Heimat halten können.

 

Im alten Alzheimer-Weblog hatte ich schon Einiges zu Haushaltshilfen aus Osteuropa geschrieben, was nach wie vor immer noch aktuell ist:

September 2005:
Legal – illegal – scheißegal

23. März 2006:
Nahe Fremde
über einen Artikel im Tagesspiegel