Ilses weite Welt – Filme für Demenzkranke

Relativ lang habe ich mit Mama Tier- und Naturfilme angeschaut, obwohl sie sich vor ihrer Demenz für diese Themen nicht interessiert hat, aber hier war Erinnerung, hier war ein Wiedererkennen. Sie fand sich in diesen langsamen Filmen mit wenigen Schnitten gut zurecht. Auch die emotionale Seite wurde angesprochen. Wir hatten ein gemeinsames Interesse und einen Gesprächsinhalt. Daran mußte ich denken als ich von „Ilses weite Welt“ las.

Website: Ilses weite Welt

Sophie Rosentreter hat ihre demenzkranke Großmutter Ilse Bischoff neun Jahre lang begleitet. Das brachte sie auf die Idee, Filme für Demenzkranke zu machen. Als Medienfachfrau entwickelte sie mit Experten aus der Pflegepraxis ihr Konzept. Der Film „ein Tag im Tierpark“ zeigt Alltagsszenen und weckt Erinnerungen. Außerdem gibt es noch „Hunde – unsere treuen Freunde“ und „Musik zum gemeinsamen Singen“. Es gibt noch zusätzliche Begleitmaterialien (Bücher und Fotokarten). Auch zu anderen Themen gibt es eine Art Baukastensystem. Ich kenne die Materialien nicht aus eigener Anschauung, finde den Ansatz aber so überzeugend, daß ich hier davon erzählen wollte. Ein Bild kann sich jede/r selber auf der genannten Homepage machen.

Bild-Spaziergänge

Am Liebsten mag Mama Bilder, die bunt sind und in denen sie spazierengehen kann. So hat ihr dieses Bild mit den Marmeladengläsern gut gefallen. Sie hat mich verblüfft, weil sie viele der Aufschriften lesen konnte. Allerdings war die leicht schräge Perspektive manchmal schwierig für sie.

Marmelade

Beim Glas rechts vorne wollte sie wissen: „Was ist denn Gebute?“. Unter „Holundermus“ konnte sie sich auch nichts vorstellen. „Das ist vom Holler. Der hat dunkle Beeren und daraus kann man Mus machen“ hat sie verstanden. Beim „Rosen-Apfel-Traum“ war ich auch nicht auskunftsfähig, was man sich darunter genau vorstellen soll. Und die „Spillinge“ in der obersten Reihe sind eine alte, fast vergessene Obstsorte. Auch gestern haben wir eine Stunde lang Bilder angeschaut. Auf diese Art können wir die Welt von draußen in Mamas Zimmer holen.

Digitaler Bilderrahmen

Bis jetzt habe ich Mama immer Zeitschriften mitgebracht und darauf geachtet, daß Geschichten von Promis enthalten waren, die ihr noch ein Begriff sind. Sie kann zwar noch buchstabieren, aber nicht mehr sinnerfassend Texte lesen. Bis vor kurzem beschränkte sich das zwar auf Überschriften oder Bildunterschriften, aber jetzt kann ich nicht mehr mit ansehen, wie sie sich quält abmüht und immer neue Anläufe unternimmt. Nun habe ich ihr beim Markendiskounter (Nordvariante) einen digitalen Bilderrahmen besorgt und auf einem Speicherstift Fotodateien überspielt. Das ist wirklich eine tolle Erfindung.

Photobucket

Heute habe ich nun ausprobiert, ob ihr das gefällt. Als ich nachmittags ankam, war sie gerade hingelegt worden, weil sie so müde und schlapp war. Die anderen Mitbewohnerinnen hingen auch ziemlich in den Seilen. Ich unterhielt mich eine Runde mit einigen Mitarbeitenden. Schließlich wachte Mama auf. Ich brauchte einige Zeit bis das Teil funktionierte. Ich hatte damit gerechnet, daß ich mit Mama vielleicht zehn Minuten oder höchstens eine Viertelstunde Bilder anschauen kann. Sie war ganz angetan und vertieft. Wir waren weit über eine halbe Stunde zugange. Am Besten haben ihr Blumensträuße und Flußlandschaften gefallen. Gegessen hat sie sehr gut und gesprochen hat sie zusammenhängend und durchgehend bairisch. Eine Mitarbeiterin, die Mama nicht verstand, fragte mich, ob ich alles verstehe, was Mama sagt. Sie verstand nämlich überhaupt nichts, wie sie sagte.