Wie sich die Dinge fügen oder: Anfang und Ende

Einige Wochen nachdem ich Mama im Juni 2005 nach Berlin geholt hatte, begann ich Fernsehsendungen anzuschauen, die mich vorher nie interessiert hatten (Großstadtrevier, Sachsenklinik und „Einsatz in vier Wänden“ …). Außerdem begann ich Blogs zu lesen und selber zu bloggen. Gerne habe ich mich bei den Blogs aufgehalten, in denen Menschen von ihrem Leben in einem anderen Land erzählen oder bei Familienblogs, die manchmal auch verächtlich „Windelblogs“ genannt werden. Ich brauchte einfach was Normales als Kontrastprogramm, wenn auch nur im Fernsehen oder virtuell.

Bei ihr kam beides zusammen. Sie lebte mit dem Ähemann in Finnland und forschte für ihre Doktorarbeit über Mäuse. In den ersten Wochen meines Mitlesens schrieb sie von ihrer ersten Schwangerschaft. Ich habe regelmäßig mitgelesen, wie sie dieses Kind – genannte „Mäusemädchen“ – und später noch die beiden kleineren Brüder ins Leben hinein begleitet. Heute lese ich, daß das Mäusemädchen ihren 5. Geburtstag feiert, und ich kann gar nicht sagen, warum mich das zum Weinen bringt. Das Leben mit Kindern verändert einen tiefgreifend, aber das mit pflegebedürftigen Angehörigen auch. Nur denke ich, daß letzteres noch nicht ins allgemeine Bewußtsein gedrungen ist.

Anstrengender Geburtstag

Erstmals seit April war Günter wieder mal dabei, und ich war sehr froh darüber, denn alleine hätte ich das noch schwerer ausgehalten. Mama war die meiste Zeit davon überzeugt, daß ich ihre Schwester bin. Sie ist von ihrer Schwester lebenslang ausgenutzt worden – auch finanziell. Das arbeitet sie nun immer wieder an mir ab. Sie beschimpft mich dann, daß ich sie übervorteilt, bestohlen und betrogen habe. Das ist sowieso nicht schön, aber aus der Krankheit heraus verständlich. Wenn es aber an so einem Tag passiert, wo ich soviel vorbereitet habe und mir soviel Mühe gegeben habe, daß sie einen schönen Geburtstag hat, dann ist es einfach zum Heulen. Und ich bin unglaublich wütend auf diese Tante, mit der ich seit Jahrzehnten keinen Kontakt habe. Da ich überhaupt keine äußerliche Ähnlichkeit mit ihr habe, vermute ich mal, daß Mama das irgendwie abarbeiten muß. Und ich sehe natürlich auch ihre Ängste.

Zumindest der Vormittag scheint für sie schön gewesen zu sein. Auf ihrem Platz im Gruppenwohnzimmer war ein liebevolles Plakat, ein Geburtstagslicht und ein Strauß mit lachsroten Rosen aufgestellt (lachsrot ist bei Blumen ihre Lieblingsfarbe). Ein Büchlein mit Bildern, Texten und einer lesbaren Widmung vom „Herrn Pfarrer“ lag daneben. Letztes Jahr hatte er nämlich eine Sauklaue. In Mamas Tagesprotokoll stand für den Vormittag außerdem: „Bewohnerin freute sich über den Besuch vom Therapiehund“. Hier ist ein älteres Foto von Largo:

Largo groß

Wenn der Lebensraum immer kleiner wird, dann ist das mit den Geschenken auch immer schwieriger. Aber ich hatte auf einem Weihnachtsmarkt ein Hunde-Körner-und-Lavendelkissen entdeckt, das man in der Mikrowelle aufwärmen kann. Es riecht unglaublich intensiv und hat ihr gefallen:

Photobucket

Ich finde es hat durchaus Ähnlichkeit mit Therapiehund Largo als er noch ein Welpe war:

Largo Welpe

Hier sieht man Largo in der Wurfkiste als er vier Wochen alt war.