Was soll man sagen …

fragt der Shopblogger, Betreiber eines Supermarkts in Bremen, nach folgendem Erlebnis:

Eine Stammkundin hat in den letzten Jahren körperlich extrem abgebaut. Sie war immer eine große, kräftige Frau. Plötzlich war sie vollkommen verändert. Schleicht nur noch wie ein Gespenst durch den Laden, spricht kaum und ist völlig „neben sich“. Was mag da wohl passiert sein?

Ich könnte darüber jetzt einen langen traurigen Beitrag schreiben. Und dabei wollte ich doch etwas ganz anderes festhalten. Bei ihrer Suche nach einem bestimmten Brötchen hat sie ein paar andere mit bloßen Händen in den Schütten umsortiert und hinterher liegenlassen. Die angefassten Brötchen habe ich (so weit ich sie identifizieren konnte) rausgenommen und entsorgt. Gesagt habe ich nichts, da es wahrscheinlich beim nächsten Besuch schon wieder vergessen gewesen wäre.

Ach, scheiße sowas. Das tut echt weh, sowas mitzuerleben

Mein Kommentar:

Da muß gar nichts Spezielles passiert sein. Auch das ist eines der vielen Gesichter der Demenz im Anfangsstadium. Danke, daß Sie nichts gesagt haben, denn wenn die Frau Sie verstanden hätte, dann würde sie sich unglaublich schämen. Schön, daß ihr das erspart geblieben ist.

Es gibt Demenzformen, bei denen schon ziemlich im Anfangsstadium soziale Konventionen verloren gehen. Das kann sich auch so äußern, daß jemand für eine Situation unangemessen gekleidet ist (Schlafanzugjacke auf Hose …) oder daß vergessen worden ist, daß man eben im Geschäft offene Ware nicht betastet.

Auch wenn dementiell veränderte Menschen Fakten und Erlebnisse nicht mehr wissen, so bleibt das emotionale Gedächtnis. Meine Mutter muß auch irgendeine Ansprache in ihrem Stammsupermarkt bekommen haben, wobei ich mir sicher bin, daß das mit großer Freundlichkeit erfolgt ist. Sie war sich jedenfalls ganz sicher, daß irgendwas ganz Schlimmes passiert ist. Sie wußte nicht mehr, was passiert ist, aber daß sie sich so schämt, daß sie nicht mehr hingehen kann.

Wenn das, was die Kundin unverkäuflich macht, tolerable Beträge überschreitet, dann wäre die Frage, ob Sie mit Angehörigen in Kontakt kommen können. Irgendwann werden die vermutlich sowieso auf Sie zukommen, wenn sich irgendwas zuhause stapelt, was in dieser Menge nicht verbraucht werden kann. Ich habe manchmal 10 große Packete Toastbrot entsorgt bzw. mehr als 40 Päckchen Spüllappen vorgefunden …

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